Alles, was du vor deiner Großbritannien-Tour wissen musst: ETA, Einreise mit dem Motorrad, Linksverkehr, Fähre oder Tunnel und Packliste – aus Fahrer-Sicht.
Weniger eine Frage gesperrter Pässe als eine Frage von Tageslicht, Regen und Mücken – vor allem im schottischen Hochland.
England und Wales sind praktisch ganzjährig befahrbar, planmäßige Sperrungen wie in Wüsten- oder Hochgebirgsländern gibt es nicht. In Schottland verkürzt kurzes Tageslicht und Wetter im Winter die Saison spürbar.
| Region | Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| England und Wales | ||||||||||||
| Schottisches Hochland |
Großbritannien hat, anders als Marokko oder Länder mit echten Hochgebirgspässen, keine planmäßig gesperrten Straßen. Das eigentliche Limit ist das Tageslicht: In Schottland sind es Ende Dezember nur rund 7 Stunden hell, Mitte Juni dagegen fast 18 Stunden. Wer im Winter fährt, plant kürzere Etappen und rechnet mit Dämmerungsfahrt.
Regen ist ganzjährig normal, besonders an der schottischen Westküste, in Wales und im Lake District, die zu den niederschlagsreichsten Regionen Europas gehören. Das schränkt die Fahrbarkeit nicht ein, verlangt aber trockene Dokumente und gute Sicht bei Nässe. Im schottischen Hochland kommen von Juni bis August Midges dazu, kleine Stechmücken, die vor allem an windstillen Abenden Pausen und Camping unangenehm machen, das Fahren selbst aber nicht beeinträchtigen.
Die stärkste Reisezeit auf der North Coast 500 und in den Highlands ist Juli und August: Ausweichbuchten auf den einspurigen Straßen sind dann häufiger durch Wohnmobile blockiert, und Unterkünfte sind Monate im Voraus ausgebucht. Mai, Juni und September bieten ähnliches Wetter bei deutlich weniger Verkehr.
| Monat | Tag | Nacht | Regen |
|---|---|---|---|
| Jan | 8°C | 2°C | hoch |
| Apr | 13°C | 5°C | mittel |
| Jul | 22°C | 13°C | mittel |
| Okt | 14°C | 7°C | mittel-hoch |
Für die meisten europäischen Pässe ist die Einreise formlos, seit 2025 aber an eine Online-Genehmigung gekoppelt.
Seit dem 1. Oktober 2021 reicht der Personalausweis für EU-Bürger nicht mehr zur Einreise nach Großbritannien, ein gültiger Reisepass ist Pflicht. Eine Mindestgültigkeit wie im Schengen-Raum (sechs Monate über die Ausreise hinaus) gibt es nicht: Der Pass muss nur für die Dauer des Aufenthalts gültig sein.
Seit dem 2. April 2025 benötigen visumfreie Besucher aus der EU, der Schweiz und weiteren Ländern zusätzlich eine ETA (Electronic Travel Authorisation). Die ETA kostet 20 £, wird online oder über die offizielle UK-ETA-App vor der Abreise beantragt und ist meist innerhalb weniger Minuten bis Tage genehmigt. Sie gilt für mehrfache Einreisen über zwei Jahre oder bis zum Ablauf des Reisepasses, je nachdem was zuerst eintritt, mit bis zu sechs Monaten Aufenthalt je Einreise. Ohne ETA wird die Einreise an der Grenze verweigert. Britische und irische Passinhaber brauchen keine ETA.
Ein Visum ist für kurze touristische Aufenthalte bis 6 Monate für die meisten EU-Staatsangehörigen weiterhin nicht nötig, die ETA ersetzt kein Visum, sondern kommt für visumfreie Reisende zusätzlich dazu. Wer über Nordirland nach Irland weiterreist, profitiert vom Common Travel Area-Abkommen: Zwischen Irland und Nordirland gibt es für die meisten Reisenden keine Passkontrolle, die ETA-Pflicht bleibt aber an die Einreise nach Großbritannien selbst gebunden. Prüfe die aktuellen Bestimmungen kurz vor Abreise auf gov.uk, da sich Gebühren und Regeln in den letzten Jahren mehrfach geändert haben.
| Visumart | Aufenthalt | Kosten | Wo beantragen | Gültigkeit |
|---|---|---|---|---|
| ETA (visumfreie Einreise) | Bis 6 Monate je Einreise | 20 £ | Online oder UK-ETA-App, vor Abreise | 2 Jahre oder bis Passablauf, mehrfache Einreise |
| Touristenvisum | Bis 6 Monate | keines für die meisten EU-Staatsangehörigen | Nicht erforderlich, ETA reicht | Je Einreise |
| Transit über Nordirland/Irland | Innerhalb der Aufenthaltsdauer | keine zusätzliche Gebühr | Common Travel Area, meist ohne Passkontrolle | Wie die zugrunde liegende Einreise |
| Eigenes Motorrad (befristete Einfuhr) | Bis 6 Monate innerhalb von 12 Monaten | keine Zollgebühr bei privater Nutzung | Mündliche Zollanmeldung bei der Einreise | An den Aufenthalt gekoppelt, kein Carnet nötig |
Kein Carnet de Passages, dafür Linksverkehr direkt ab der Rampe – die Anreise selbst ist die größere Umstellung.
Großbritannien verlangt kein Carnet de Passages. Ein privat genutztes Motorrad wird bei der Einreise formlos als vorübergehende Einfuhr (Temporary Admission) behandelt, mündlich beim Zoll erklärt und darf bis zu sechs Monate innerhalb von zwölf Monaten im Land bleiben, ohne dass Einfuhrabgaben anfallen. Voraussetzung ist, dass du das Motorrad am Ende wieder ausführst und nicht verkaufst.
Mitzuführen sind die Zulassungsbescheinigung Teil I im Original und ein gültiger Versicherungsnachweis. Fährst du ein fremdes Motorrad, ist eine formlose schriftliche Erlaubnis des Halters empfehlenswert, auch wenn sie an der Grenze selten verlangt wird. Seit dem 2. August 2021 gehört Großbritannien mit der EU, der Schweiz, Norwegen, Island, Andorra und Serbien zur sogenannten Green-Card-Freizügigkeitszone: Eine Grüne Karte ist zur Einreise nicht mehr vorgeschrieben, solange dein Motorrad in einem dieser Länder zugelassen und dort gültig haftpflichtversichert ist. Kläre dennoch vor der Abreise direkt bei deinem Versicherer, ob dein Vertrag Fahrten nach Großbritannien einschließt und lass dir vorsichtshalber trotzdem eine Grüne Karte ausstellen, falls die Regelung sich ändert oder es an der Grenze zu Rückfragen kommt.
Die gängigen Einreisewege vom europäischen Festland: die Fähre Dover–Calais oder Dover–Dunkerque (rund 90 Minuten Überfahrt), der Eurotunnel Le Shuttle Folkestone–Calais (rund 35 Minuten, Motorräder fahren direkt auf den Zug), sowie die Nachtfähren Hull–Rotterdam, Hull–Zeebrugge und Newcastle–Amsterdam (IJmuiden) für die Anreise Richtung Norden und Schottland. Für eine direkte Route Richtung Spanien fahren Fähren von Portsmouth und Plymouth nach Santander und Bilbao. Direkt nach dem Verlassen der Fähre oder des Tunnels gilt Linksverkehr – die ersten Kreisverkehre auf dem Gelände selbst sind bewusst so angelegt, dass du dich daran gewöhnst, bevor die offene Straße beginnt.
Weil die Überfahrt vom Festland kurz und günstig ist, lohnt sich für die meisten eine Anreise mit dem eigenen Motorrad eher als eine Anmietung vor Ort. Mieträder sind in London, Manchester und Edinburgh verfügbar, aber deutlich teurer als auf dem Kontinent und für eine mehrwöchige Tour selten wirtschaftlich.
Der EU-Führerschein reicht aus, ein internationaler ist für EU-Bürger nicht nötig.
Ein gültiger EU- oder EWR-Führerschein der Klasse A berechtigt Besucher zum Fahren in Großbritannien, ohne dass er umgeschrieben werden muss. Ein internationaler Führerschein (IDP) ist für EU-Führerscheine nicht vorgeschrieben und in der Praxis auch selten nötig. Für Reisende aus Ländern außerhalb der EU/EWR ist ein IDP je nach Heimatland empfehlenswert, da nicht jeder ausländische Kartenführerschein ohne Weiteres anerkannt wird.
Verkehrskontrollen der Polizei sind seltener und in der Regel unaufgeregt. Verlangt werden Führerschein, Fahrzeugpapiere und Versicherungsnachweis; bei einer Fahrzeugkontrolle darfst du das Original meist wieder zurückerhalten, eine Kopie zusätzlich griffbereit zu haben beschleunigt die Sache.
Fast alles ist asphaltiert. Die Herausforderung ist nicht der Belag, sondern Breite, Tempolimit in mph und der Linksverkehr.
Das öffentliche Straßennetz in Großbritannien ist praktisch durchgehend asphaltiert, auch die einspurigen Straßen im schottischen Hochland. Was auf dem Kontinent eine Piste wäre, ist hier eine schmale Teerstraße mit Ausweichbuchten (passing places): Wer entgegenkommenden Verkehr sieht, fährt in die nächste Bucht auf der linken Seite und lässt den anderen passieren, blockiert eine Bucht aber nicht mit dem eigenen Fahrzeug.
Tempolimits gelten in mph, nicht km/h: 30 mph (48 km/h) in Ortschaften, in Wales und zunehmend auch in englischen und schottischen Städten oft 20 mph (32 km/h), 60 mph (97 km/h) auf einspurigen Landstraßen und 70 mph (113 km/h) auf Autobahnen (Motorways, M-Nummern) und zweispurigen Schnellstraßen. Geschwindigkeitskontrollen per Kamera (Gatso-Blitzer und Section-Control-Strecken) sind verbreitet und werden konsequent geahndet.
Auf Landstraßen im Hochland und in Wales ist mit Schafen und Rotwild auf der Fahrbahn zu rechnen, besonders in der Dämmerung, viele Weiden sind unumzäunt. In London sind Motorräder von der Congestion Charge und der ULEZ befreit, die Innenstadt kostet für sie also keinen Aufpreis.
Überwiegend einspurige Straßen mit Ausweichbuchten, asphaltiert aber schmal und kurvenreich
Breite Fernstraße mit engen, kurvigen Abschnitten entlang der Seeufer und durch Glencoe
Einspurige Passstraße mit engen Serpentinen im Abstieg zur Küste
Schmale, extrem kurvige Landstraßen, bekannt als eine der besten Motorradstrecken des Landes
Tanken ist fast überall unkompliziert, verkauft wird in Litern, nicht in Gallonen.
Kraftstoff wird in Großbritannien in Litern verkauft, obwohl Entfernungen in Meilen gemessen werden. Bleifrei 95 (unleaded) ist Standard und überall verfügbar, Super/Premium mit 97 bis 99 Oktan gibt es an größeren Stationen. Diesel ist ebenfalls flächendeckend erhältlich. Die Preise liegen in der Größenordnung von 1,40 bis 1,60 £ je Liter, schwanken wöchentlich und sind an Autobahn-Raststätten spürbar teurer als bei Supermarktketten wie Tesco, Asda, Sainsbury's oder Morrisons.
Bezahlt wird fast überall mit Karte direkt an der Zapfsäule (Chip and PIN), Bargeld wird ebenfalls akzeptiert. Im schottischen Hochland und in Teilen von Wales liegen Tankstellen deutlich weiter auseinander als im Süden, dort gilt: volltanken, wann immer eine Station kommt, statt zu warten, bis der Tank leer wird.
| Kraftstoff | Verfügbarkeit | Hinweis |
|---|---|---|
| Bleifrei 95 (unleaded) | Flächendeckend | Standard für Reise- und Enduromotorräder |
| Super/Premium 97-99 | Größere Stationen und Städte | Nicht überall verfügbar, nicht fest einplanen |
| Diesel | Flächendeckend | Relevant für Begleitfahrzeuge |
| Tankstellendichte im Hochland | Teils über 80 km Abstand | Vor der Fahrt in entlegene Gebiete volltanken |
Großbritannien ist für Reisende sicher. Das eigentliche Risiko ist der Linksverkehr, nicht die Kriminalität.
Großbritannien gilt für Reisende allgemein als sicher, übliche Vorsicht in Großstädten reicht aus. Das größere Risiko liegt im Straßenverkehr: Linksverkehr und Kreisverkehre mit ungewohnter Vorfahrt (Vorfahrt hat, wer von rechts kommt) fordern in den ersten Tagen bewusste Aufmerksamkeit, besonders beim Abbiegen aus Parkplätzen und Tankstellen, wo man reflexhaft auf die falsche Seite einschert.
Auf Landstraßen in Schottland und Wales ist mit Wildwechsel und Schafen auf unumzäunten Weiden zu rechnen, vor allem in der Dämmerung. Reflektierende Elemente an Kleidung und Gepäck helfen, da Regen und diesiges Licht die Sicht häufiger einschränken als anderswo in Europa.
Keine Pflichtimpfungen, die EHIC/GHIC gilt weiter – aber nicht für alles.
Für Großbritannien sind keine Pflichtimpfungen vorgeschrieben, Standardimpfungen sollten aufgefrischt sein. Leitungswasser ist überall unbedenklich trinkbar.
Die EHIC (oder die britische GHIC für UK-Bürger umgekehrt) wird von der NHS weiterhin für medizinisch notwendige Behandlung während des Aufenthalts akzeptiert, das ist eine der wenigen reziproken Regelungen, die den Brexit überstanden haben. Sie deckt aber keinen Rücktransport und keine private oder spezialisierte Behandlung ab, eine Auslandskrankenversicherung bleibt für eine Motorradreise dringend zu empfehlen.
Pfund Sterling, nicht Euro – und praktisch überall Karte statt Bargeld nötig.
Gezahlt wird mit dem Pfund Sterling (GBP), der Euro wird nirgends akzeptiert. Kontaktloses Zahlen und Karte sind Standard, selbst an Tankstellen und für kleine Beträge, Bargeld ist selten zwingend nötig. Geldautomaten sind in Städten dicht, im Hochland und ländlichen Wales seltener und teils gebührenpflichtig.
Trinkgeld ist in Restaurants mit rund 10 Prozent üblich, aber nicht verpflichtend, in Pubs bei Bestellung an der Theke unüblich.
| Posten | Preis |
|---|---|
| Liter Benzin | ca. 1,40-1,60 £ |
| Einfaches Essen (Pub Meal) | ca. 12-18 £ |
| Übernachtung Mittelklasse (B&B) | ca. 80-140 £ |
In Städten und entlang der Hauptstraßen stark, im Hochland lückenhaft – und EU-Roaming ist seit dem Brexit keine Garantie mehr.
EE, O2, Vodafone und Three decken Städte und die meisten Hauptstraßen gut ab, im schottischen Hochland und in Teilen von Wales gibt es längere Funklöcher, auf entlegenen NC500-Abschnitten stellenweise über 30 Kilometer keinen Empfang.
Die EU-Regel für kostenloses Roaming gilt seit dem Brexit nicht mehr verpflichtend für Großbritannien: Manche europäischen Anbieter berechnen hier wieder Roaminggebühren, andere bieten es weiterhin freiwillig an. Prüfe das vor der Abreise direkt beim eigenen Anbieter oder besorge dir eine lokale SIM- oder eSIM-Karte, die es in Supermärkten, Handy-Shops und an Flughäfen günstig gibt. Lade Offline-Karten für das Hochland vorab herunter.
Höflichkeit und Warteschlangen-Disziplin sind ernst gemeint, am Kreisverkehr zählt vor allem der Blick nach rechts.
Amtssprache ist Englisch, in Wales zusätzlich Walisisch auf Schildern. Warteschlangen (queueing) werden ernst genommen, sich vorzudrängen gilt als grober Fauxpas. In Pubs bestellt und bezahlt man meist direkt an der Theke, Tischbedienung ist eher die Ausnahme.
Am Kreisverkehr hat Vorfahrt, wer bereits von rechts kommt, das ist die Spiegelung des kontinentalen Prinzips und braucht in den ersten Tagen bewusste Aufmerksamkeit. Motorräder sind in London von der Congestion Charge und der ULEZ befreit. Blitzer werden konsequent ausgewertet, auch als Section-Control über mehrere Kilometer.
Nur was Großbritannien zusätzlich verlangt. Die allgemeine Motorradpackliste wird vorausgesetzt.