Auf einen Blick Inhalt
- Warum in den Alpen immer mehr Strecken gesperrt werden
- Tirol: Fahrverbot für Motorräder über 95 dB
- Südtirol und Dolomiten: Grödner Joch und Veranstaltungsverbot
- Bayern und Anreise: Sudelfeld, Kesselberg und Brenner
- Westalpen: Schotter mit Regeln statt Verboten
- So planst du deine Alpentour 2027 ohne böse Überraschungen
Warum in den Alpen immer mehr Strecken gesperrt werden
Lärm, Unfälle und schlicht zu viel Verkehr: Mit diesen drei Gründen rechtfertigen Gemeinden und Regionen ihre Sperren. Am Grödner Joch fahren an Spitzentagen laut Medienberichten bis zu 11.000 Fahrzeuge über den Pass. In Tirol fühlt sich nach Angaben der Landesregierung fast jeder zweite Anwohner der betroffenen Täler durch Motorradlärm beeinträchtigt, vor allem durch hochtouriges Beschleunigen und Aufheulen lassen.
Auch in Deutschland wird die Debatte schärfer. Im Februar 2026 wurde bei der Verkehrsministerkonferenz ein bundesweites System von Lärmschutzzonen mit Plakettenpflicht beantragt, nach dem Vorbild der Umweltzonen. Beschlossen ist das nicht, aber die Richtung ist klar: Wer in den Alpen und auf dem Weg dorthin unterwegs ist, muss seine Route heute genauer planen als noch vor ein paar Jahren.
In diesem Überblick findest du den Stand von Mitte September 2026: was aktuell gilt, was sich 2027 ändern könnte und wo du weiterhin legal Pässe und Schotter fahren kannst.
Tirol: Fahrverbot für Motorräder über 95 dB
Seit einem Pilotprojekt im Jahr 2020 erlässt das Land Tirol jedes Jahr ein Fahrverbot für laute Motorräder in den Bezirken Reutte und Imst. Es gilt vom 15. April bis 31. Oktober für alle Motorräder mit einem Standgeräusch von mehr als 95 dB(A), unabhängig davon, ob die Maschine in Österreich oder in Deutschland zugelassen ist.
Betroffen sind mehrere beliebte Passstraßen, unter anderem:
- Lechtalstraße (B198) zwischen Steeg und Weißenbach am Lech
- Tannheimer Straße (B199) zwischen Weißenbach am Lech und Schattwald
- Hahntennjoch (L72/L246)
- die Strecke über Berwang und Namlos
Entscheidend ist nicht, wie laut dein Motorrad klingt, sondern der Wert in den Papieren. Das Standgeräusch findest du in der Zulassungsbescheinigung Teil I im Feld U.1. Liegt er über 95 dB(A), darfst du die gesperrten Abschnitte nicht befahren, auch nicht mit noch so zurückhaltendem Fahrstil. Auch Serienmotorräder können über dem Grenzwert liegen, deshalb lohnt sich der Blick in den Fahrzeugschein vor jeder Tirol-Tour.
Südtirol und Dolomiten: Grödner Joch und Veranstaltungsverbot
Am 19. Juni 2026 hat die Südtiroler Landesregierung beschlossen, organisierte Motorsportveranstaltungen auf bestimmten Passstraßen und generell oberhalb von 1.600 Metern nicht mehr zuzulassen. Genannt werden unter anderem Stilfser Joch, Timmelsjoch, Grödner Joch, Sellajoch und Karerpass. Die Regel gilt für Autos, Motorräder und sogar Traktoren, egal mit welchem Antrieb.
Für dich als Einzelfahrer ändert sich dadurch nichts, der normale Individualverkehr bleibt erlaubt. Unklar ist dagegen, wie die Behörden geführte Touren und Clubausfahrten einordnen. Hier gibt es laut Fachpresse noch Grauzonen.
Am Grödner Joch hat der Gemeinderat von Wolkenstein im März 2026 einstimmig für eine verkehrsberuhigte Zone gestimmt, Corvara zog nach. Geplant war ab 1. September 2026 eine fünfmonatige Testphase, in der nur Anwohner, Übernachtungsgäste am Joch, Lieferanten und der öffentliche Verkehr frei durchfahren sollten. Nach Berichten aus dem August läuft der Test nun aber nur digital: ohne Schranken und ohne Bußgelder, der Verkehr wird lediglich gezählt und ausgewertet.
Spannend wird deshalb 2027. Fällt die Auswertung im Sinne der Gemeinden aus, steht eine Beschränkung von Mitte Mai bis Mitte Oktober im Raum, also genau während der Motorradsaison. Im Gespräch ist außerdem, das Modell auf weitere Pässe der Sella Ronda auszuweiten. Wenn du die Dolomiten 2027 fahren willst, prüfe vor der Buchung deiner Unterkünfte den aktuellen Stand.
Bayern und Anreise: Sudelfeld, Kesselberg und Brenner
Schon auf dem Weg in die Alpen begegnen dir Sperren. Die Sperrung der B 307 am Sudelfeld für Motorräder hat das Verwaltungsgericht München am 29. Juli 2026 als zulässige Erprobungsmaßnahme bestätigt, eine Klage dagegen blieb erfolglos. Am Kesselberg (B11) gelten seit 2025 feste Sperrzeiten für Motorräder am Nachmittag und Abend, laut aktuellen Berichten von 15 bis 22 Uhr.
Wer über den Brenner anreist, sollte Zeit einplanen. Die Luegbrücke auf der A13 ist seit Januar 2025 grundsätzlich nur einspurig befahrbar und wird nur an rund 180 Tagen im Jahr zweispurig geöffnet. Seit Januar 2026 misst dort zusätzlich eine Section Control, erlaubt sind 60 km/h.
Ein Blick über die Alpen hinaus: In den Vogesen sperrt die Aktion Col'Attitude 2026 an elf Tagen zwischen Juni und Ende September vierzehn Anstiege jeweils vormittags für den motorisierten Verkehr, damit Radfahrer freie Bahn haben. Das ist kein Dauerverbot, du legst die Tour dort einfach auf den Nachmittag.
Westalpen: Schotter mit Regeln statt Verboten
Ganz anders sieht es im Piemont und in den französischen Seealpen aus. Pauschale Lärmverbote gibt es hier nicht, dafür klare Regeln für die alten Militärstraßen. Die Assietta-Kammstraße zwischen Colle delle Finestre und Sestriere ist für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen und 2 Meter Breite zugelassen, es gilt Tempo 30 sowie Überhol- und Halteverbot außerhalb der Parkflächen. In den Ferienmonaten Juli und August ist sie an einzelnen Tagen tagsüber gesperrt, meist mittwochs und samstags. Dazu kommen die Wintersperre, die in der Regel bis Ende Juni dauert, und die Sperrung am Gedenktag der Schlacht von Assietta im Juli.
Rund um Bardonecchia veröffentlicht die Gemeinde einen Streckenplan, der zeigt, welche Pisten Richtung Monte Jafferau oder Col du Sommeiller offen, teilweise offen oder gesperrt sind. Für einige Abschnitte wie die Alta Via del Sale brauchst du eine Maut oder eine Tagesgenehmigung. Das klingt nach Bürokratie, hat aber einen großen Vorteil: Wer die Regeln kennt, fährt hier weiterhin legal auf fast 3.000 Metern Höhe.
Genau diese Planung nehmen wir dir auf unserer geführten Westalpen Motorradtour über Assietta, Sommeiller und Parpaillon ab. Unsere deutschsprachigen Guides kennen die Sperrtage, legen die Etappen entsprechend und kümmern sich um die nötigen Genehmigungen. Die Tour richtet sich an erfahrene Enduristen, rund 70 Prozent der Strecke sind Schotter. Wer es naturnäher mag, fährt unsere Camping-Enduro-Tour durch die Westalpen. Und wenn du lieber auf vier Rädern unterwegs bist, bringt dich die 7-tägige Westalpen Offroad Tour mit dem Geländewagen in dieselben Höhen, auch als Einsteiger.
So planst du deine Alpentour 2027 ohne böse Überraschungen
Die Regeln ändern sich inzwischen fast jede Saison. Mit diesen Punkten bist du auf der sicheren Seite:

- Prüfe das Standgeräusch in deinem Fahrzeugschein (Feld U.1), bevor du durch Tirol planst.
- Fahr mit Serienauspuff oder einer eingetragenen Anlage, laute Zubehörtöpfe sind der schnellste Weg in ein Verbot.
- Schau kurz vor der Abfahrt nach den aktuellen Verordnungen der Gemeinden und Provinzen, besonders für Grödner Joch, Assietta und die Pisten um Bardonecchia.
- Leg Pässe mit Sperrzeiten auf Tage und Uhrzeiten, an denen sie offen sind, und plane für jeden Tag eine Alternativroute ein.
- Fahr in Ortschaften und an Engstellen niedertourig. Jeder leise Motorradfahrer ist ein Argument gegen die nächste Sperre.
- Überleg dir eine geführte Tour, wenn du die Recherche nicht selbst übernehmen willst. Die Guides kennen die Lage vor Ort aus erster Hand.
Dieser Überblick gibt den Stand von Mitte September 2026 wieder. Viele Regelungen, allen voran am Grödner Joch, werden erst im Winter entschieden. Wir aktualisieren den Beitrag, sobald die Regeln für die Saison 2027 feststehen.