Travel target list: Go to India

9. Dezember 2011

Es gibt 1001 Gründe warum man Indien bereisen sollte. Genauso viele Gründe sprechen dagegen. Um die Welt besser zu verstehen und die Erde mit anderen Augen sehen zu können, um über den eigenen Tellerrand zu blinzeln – für ein weiteres farbiges Puzzlestück zu einem umfassenden Weltbild: dafür ist eine Reise nach Indien wert.

The better way to fly ist und bleibt die Lufthansa. Mein Wunsch war es Indien als Abenteuerreisender zu erleben, doch die Erfahrungen meiner Freundin verdeutlichten mir, dass in Indien selbst eine Luxusreise ein Abenteuer ist.

Der erste Tag in der Metropole Neu Delhi, der Stadt, die niemals schläft, sollte als Akklimatitonstag geplant sein. Jede Sekunde kreuzt ein Mensch, Kuh, oder huppendes Auto den Weg. Gerüche und Eindrücke wechseln ebenso schnell. Für das Making-Off der Indienreise, empfiehlt es sich die ersten zwei Tage zur Ruhe, Stadtbesichtigung und Standortrealisierung zu nutzen.

Nächstes Highlight unserer Reise war das Royal Enfiled Festival in Goa. Take-Off zu einem neuen Abenteuer, wir lassen das in Smog gehüllte Delhi hinter uns und erreichen nach 2-stündigem Flug Goa:keine Straßen, kaum Häuser. Einst Hippi- und Haschischhochburg, heute chemischen Drogen und das dazupassende Publikum. Nach einem atemberaubenden und feuchtfröhlichem Motorradfestival gehts weiter nach Ahmedabad, der Geburtstadt Ghandis.

Um in der Stadt etwas Ruhe und Grün geniessen zu können und dem eigenen Kind einen einigermaßen sicheren Freiraum bieten zu könen, muss man 20.000.-€ Clubmitgliedschaft investieren: Eine Verkehrsfreie Zone mit Rasen, überfüllten Restaurants und eine Sandbahn, um die ca. drei Fußbalplatz große Spielfläche. Joggen im Smog, das ist Luxus!

Durch das Stadtchaos zur Busstation, um das nächste Abenteuer zu erleben: auf nach Bhavnagar. Ein völlig überladener Bus mit Bollywoodbeschallung, Chips, Erdnüssen und nicht trinkbarem Wasser bringt uns unsere Luxusreise immer näher. Auf der Fahrt erechne ich den Durchschitt der entgegenkommenden Busse und der entgegenkommenden Rikshaws... wow, 40 Busse in fünf Minuten x2x60x10 Stunden bei einem Verbrauch von ca. 30 Litern, weil alt, überladen und völlig durchgenudelt. Daher also der Smog, der uns die ganze Reise begleitet? Kann nicht sein, denn es gibt in jeder Stadt mehr Rikshaws als "Asphalt". Also Durchschnittswert kurzerhand und über den fetten europäischen Daumen gepeilt: 80 Rickschaws in 5 Minuten x2x60Minuten x18 Stunden am Tag. Hallo Erde, wir vergaßen dich!

Der Reichtum mancher Inder - und uns Europäern sowieso - ist beindruckend einfach auf dem Rücken anderer Menschen und auf Kosten der Natur verdient.

Ausverkauf der Resourcen: Unter dem Aspekt des Profits wird alles "Made in China" und "Made in Indien" produziert. Der dumme Konsument glaubt allen Ernstes, dass Nike und Cosonst um xyz teurer wäre. Die Dummheit der Menschen ist grenzenlos in ihrer Naivität! Hier in Indien interessiert keinen Menschen Dinge wie umweltschonende Sondermüllentsorgung, Filter für Staub und Gifte oder Sicherheitsvorschriften in den Produktionshallen ... Bosch, Nike, BMW und Co verschieben die Kosten lieber auf zukünftige Generationen und verweisen einstweilen auf die Isozertifizierung . Die kleinen dummen Inder sind genauso korrupt und gewissenlos wie die deutschen Manager der Fertigungsindustrie. Alles auf Kosten der Erde und unserer Kinder.

Abdul, der illegale Fahrer und Helldriver vor dem Herrn, treibt den Kleinwagen sieben Stunden über eine einspurige Autobahn die in Europa unter dem Namen Bundesstraße bekannt ist. Im Gegensatz zu unseren Bundesstraßen gibt es auf den indischen Autobahnen spannende Dinge zu erleben: Weniger die in dunstartigem Schleier eingehüllte Ebene, sondern eher die tollkühnen Überholaktionen bei entgegenkommenden Trucks, Pkws, Motorrädern und Kühen lassen den Atem stocken ...

Die Landschaft bietet bizarre Szenen: Die Fahrzeuge schießen hupend an am Straßenrand schlafende und Notdurft verrichtenden Menschen vorbei. LKW mit Reifenschäden sind ebenso häufig wie Unfälle mit Todesfolge, die schon Stunden oder Tage zurückliegen können, während der Leichnam noch abgedekt am Rande des Geschehens liegt und auf seine letzte Fahrt wartet.

Alang: Schlacht- und Friedhof aller Container-, Tank-, Fähr- und Kreuzfahrschiffe. Die letzte Fahrt einer Autofähre aus Florida ist auch ihre längste: Sechs Wochen schippert sie zu ihrem letzten Ziel: Alang, Indien.

Udaipur, die weisse Stadt. Übernachtung am Lake Palace - das ist für mich das Indien wie ich es mir vorgestellt habe: Schönes, ursprüngliches Zimmer mit Blick auf den See, lecker Essen und heiße Dusche. Welcome to India! Nach einer Woche scheine ich angekommen zu sein und der Speicher der Eindrücke füllt sich langsam.

Die Reise durch Rajasthan hatten wir versucht so zu leben wie die Rajputen, was uns leider nicht immer gelang, denn Heritage lässt sich besser verkaufen, als ein überbewertetes drei Sterne Hotel. In Jaipur war das Heritage eine farbenfrohe Fassade, ein viereckiger Betonkasten, billigst gebaut und reich bemalt von Arbeitskräften aus einem 250 Kilometer entfernten Dorf und die Söhne eines offensichtich wohlhabenden Mannes dürfen sich nun Hotelmanager eines Heritage Hotel nennen.

Seit einer Woche begleitet uns Kissanbhai. Der hinduistische Fahrer ist ein Vollprofi, der sein Handwerk beherrscht: Sicher und schnell bringt er uns an alle Ziele, öffnet zuvorkommend die Türen und hat immer ein Auge auf uns. Während ich in kritischen Bereichen filme, spüre ich, wie er mich beobachtet und nach dem "Rechten sieht". Kissanbhai ist Gold wert.

Back to Delhi. Die Stadt die den Namen Großstadtdschungel verdient hat: laut, dreckig, hecktisch, chaotisch. Nach solch einer Reise, wird man das nächste Mal auf KEINEN Fall unter vier Sterne übernachten, denn das einzige wonach man sich nach einer Indiendurchquerung sehnt ist: In aller Ruhe, bei einer Tasse Kaffee die wahnwitzigen Eindrücke verarbeiten zu können.

Die Highlightsempfehlungen unserer Reise:

Delhi:

  • Connaught Place

  • Jantar Mantar

  • Chandni Chowk

  • Bangla Sahib Gudwara

  • National Museum

  • Lal Quilal

  • Jami Masjid

  • Humayun-Mausoleum

  • Bahai Tempel

  • Qutb Minar

    Ahmedabad:

  • Schwingende Minarette

  • verschiedene Museen

    Bhavnagar:

  • Ghandissmutri

  • Palitana

  • Alang

    Udaipur:

  • Lake palace

  • Stadtpalast

  • Jagdish Tempel

    Jodhpur:

  • Meherangarh Fort

  • Umaid Bhawan

    Jaipur:

  • Stadtpalast

  • Hawa Mahal

  • Ram Niwas Park

    Agra:

  • Taj Mahal

  • Agra Fort

  • Itmad-ud-Daulah

  • Akbars Mausoleom

oder

http://www.overcross2india.com

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